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Politische Inhalte haben in der Popmusik eine lange Tradition. Neben den Themen Liebe, Sex und Partnerschaft waren auch soziale und politische Motive immer schon, wenn auch mit unterschiedlicher Intensität, unterschiedlichem künstlerischem Gehalt sowie aus unterschiedlichsten Gründen in der Populärmusik vertreten. Allgemein wird aber der Wirkungsgrad politisch motivierter Musik von Seiten der Medien und der Wissenschaft gerne unterschätzt.

Tatsächlich aber zählt die politische Popmusik zu einem der bedeutendsten Bereiche im Rahmen der Unterhaltungsmusik, von dem eine klare ästhetische Wirkung ausgeht. Dabei darf man nicht den Begriff der politischen Ästhetik mit der ästhetischen Wirkung politisch orientierter Popmusik verwechseln, wenngleich in beiden Bereichen oft mit ähnlichen Mitteln operiert wird. Sowohl in der politische Ästhetik wie auch im Bereich der Ästhetik politisch orientierter Popmusik wird mit den Mitteln der Reklametechnik und der Suggestion gearbeitet. Beide ästhetische Formen sind auf Massenwirkung bedacht, mit dem Ziel, eine emotionale Identifikation der angesprochenen Massen mit den Inhalten der Politiker und Musiker aufzubauen. Freilich unterscheiden sich die Ziele gewaltig. Während die Politiker trachten, mit den Mitteln der Ästhetik einerseits die Ehrfurcht der Bürger zu erwecken und zu festigen, und andererseits eine Bereitschaft zur Unterstützung einer Partei oder einer Person hervorrufen wollen, steht bei der politisch motivierten Popmusik häufig die Selbstdarstellung der Künstler im Vordergrund.

Die Musiker verkünden zwar eine Botschaft, deren Inhalte aber zumeist sekundär sind; entscheidend ist der von ihr ausgehende Mythos. Die Popmusik folgt dabei exakt den Strukturen der Mythen des Alltags, indem sie immer auf schon Vorhandenes, Bekanntes zurückgreift. Sie ist damit niemals authentisch, sondern plagiatorisch. Die Popmusik hat daher immer Anleihen bei anderen Musikstilen gemacht.

„Die Popmusik benutzt die Aura authentischer Musikformen, um mit ihnen eine ganz andere Aussage zu verschlüsseln. Das gleiche gilt für die Texte. Sie sind latent poetisch, aber selten authentisch poetisch, sie sind latent ideologisch, aber selten offen ideologisch, sie sind latent politisch, aber nie wirklich politisch, sie sind latent gesellschaftskritisch, jedoch niemals der Sache auf den Grund gehend.“ (nach R.Flender/H.Rauhe - POPMUSIK Darmstadt 1989 S.85)

Genau dieser Umstand aber wird von Musikwissenschaftlern und Journalisten heftig kritisiert. Dabei werden offensichtlich die Voraussetzungen für die Entstehung von Popmusik vergessen. Die Musiker trachten, mit ihrer Musik ein möglichst großes Publikumsinteresse zu wecken. Dies kann allerdings nur gelingen, indem das Publikum nicht vor vollendete Tatsachen gestellt wird. Die Musik soll die Fantasie der Rezipienten anregen, Aussagen mit uneingeschränktem Wahrheitscharakter würden das Publikum bald langweilen.

Diese Vorgangsweise bedeutet nicht, dass politische Inhalte dabei auf der Strecke bleiben müssen, sondern lediglich, dass die Musiker trachten, dem Publikum einen Spielraum zur Interpretation der ausgehenden Botschaften einzuräumen. Die Vertreter der Popmusik können sehr wohl systemkritisch agieren, würden sie jedoch systemzerstörend agieren, dann würden sie sich ihre eigene (Erwerbs-)Grundlage entziehen.

Die Grenzen der Popmusik in diesem Bereich sind also klar abgesteckt; auch wenn die Musiker sich noch so respektlos dem Establishment gegenüber verhalten, so wissen sie doch, dass sie Teil desselben sind. Obwohl dieser Umstand die künstlerische Freiheit einzuengen scheint, agieren politische Popgruppen sehr erfolgreich in der internationalen Musikszene.

Im Idealfall gelingt den Vertretern der Popmusik nämlich die Erziehung des Publikums zu politischem Bewusstsein, ohne gleichzeitig Lösungen von musikalisch behandelten politischen Themen präsentieren zu müssen. Würden die Musiker tatsächlich immer Lösungen präsentieren, wären sie schon bald keine Musiker mehr, sondern vielmehr im Bereich der (Partei-)Politik wiederzufinden.

Bono, Sänger der irischen Popgruppe U2, tätigte in diesem Zusammenhang einen Ausspruch, der wie kein anderer die heillose Überforderung der Musiker an der übertriebenen Erwartungshaltung des Publikums wie der Medien aufzeigt: „Es ist verdammt gefährlich, pausenlos als Sprachrohr einer Generation hingestellt zu werden, wenn man nichts anderes zu sagen hat als 'Hilfe!' Aber mehr sagen wir mit unserer Musik nicht. Fragt uns nicht pausenlos nach Antworten, wir können sie euch nicht geben. Alles was wir tun können, ist, die richtigen Fragen zu stellen!“ (aus der Biographie - BONO von Dave Thompson Rastatt 1990 S.67)

Die Frage ist demnach nicht wie politisch die Populärmusik ist, sondern ob sie politisch ist, und ob sie überhaupt ein geeignetes Medium zur Verbreitung politischer Inhalte darstellt. Letzteres kann wohl eindeutig bejaht werden, liegt doch die Stärke der Popsongs gerade in ihrer 'Kommunikabilität'. „Songs can communicate even to those who can't read and write and, at their best, can inspire, console, dodge round censors and frontiers, summarize a political mood, or as that most political star of the salsa world, RUBEN BLADES, put it, 'tell people they are not alone'.“ (aus Robin Denselow - WHEN THE MUSIC'S OVER London 1990 S.XVI)

Die Musiker erkannten schon recht bald, dass sie dadurch zu einer privilegierten Bevölkerungsschicht gehörten; mit ihrer Arbeit konnten sie relativ einfach eine große Zahl von Menschen erreichen. Es war ihnen aufgrund ihrer Popularität daher möglich, einen großen Einfluss auf politische wie gesellschaftliche Entscheidungen auszuüben.

Es ist nicht überraschend, dass sich die Musiker in den Anfängen der Popmusik hauptsächlich mit Problemen ihres näheren sozialen Umfelds beschäftigten. Da die Popmusik häufig von jungen Künstlern gemacht wurde, ging die Entwicklung der politischen Popmusik auch mit der Entwicklung der politischen Jugendbewegungen einher.

Ihren Ursprung hatte die politische Popmusik daher auch in den 60er Jahren mit dem Aufkommen der Flowerpower-Bewegung. Doch schon zuvor waren Sänger wie Woody Guthrie oder Pete Seeger durch ihre kritische Hinterfragung der modernen Gesellschaftsform maßgeblich an der Entstehung des Political Pop beteiligt. Ihr bekanntester Protagonist aber war Bob Dylan, der Erneuerer des Protestsongs.

Mit den Erfolgen von Sängern wie Woody Guthrie, Bob Dylan und eben Pete Seeger, die sich neben dem Thema Krieg auch mit Fragen der Menschenrechte, der Umweltpolitik, der Kernenergie und der Rassentrennung auseinandersetzten, etablierten sich politische Anliegen in der Popmusik zusehends. Interessant an dieser Entwicklung ist, dass die politisch orientierten Musiker und Bands und ihre Botschaften bis heute allgemein dem 'linken' politischen Lager zugerechnet werden.

Tatsächlich haben die politischen Anliegen der Pioniere des Polit-Pop, wie etwa die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit und Aufhebung der Klassenschranken, bis heute nicht ihre Bedeutung verloren. Gerade in Großbritannien stoßen diese Themen beim Publikum noch immer auf große Gegenliebe. Bands wie Simple Minds oder U2 sowie Musiker wie Sting und Peter Gabriel haben nicht zuletzt aus diesem Grund großen Anklang beim Publikum gefunden.

Trotz der wachsenden Zahl politisch interessierter Musiker wurde der Wirkungsgrad, den die politische Popmusik beim Publikum erreichen konnte, konsequent unterschätzt. In Politikerkreisen wollte man noch bis in die 80er Jahre den engagierten Arbeiten der Musiker keine realpolitischen Auswirkungen zugestehen. Dabei gab es schon damals wahrlich genug Beispiele für politische Änderungen, die durch Popmusiker hervorgerufen wurden.

1982 etwa legte Stevie Wonder anlässlich einer politischen Demonstration vor über 50.000 Menschen in Washington mit seiner Ansprache den Grundstein für die Einrichtung des sogenannten Martin-Luther-King-Feiertages in Amerika, als er meinte: „... we need a day to celebrate our work on an unfinished symphony, a day for a dress rehearsal for our solidarity.“ Obwohl dieser Feiertag, der erste in den USA überhaupt, der einem Schwarzen gewidmet war, nicht seine Idee war, war es die Popularität Stevie Wonders, der Politiker wie Reverend Jesse Jackson und John Conyers die Durchsetzung dieses Anliegens zu verdanken hatten.

Gerade die schwarzen US-Musiker gaben dem Begriff des politischen Pop eine neue Bedeutung. „The tradition had grown up in the days of slavery, when the blues and gospel provided one uncontrollable outlet for black expression. No one could stop the music in the fields or in the churches, and black America's preachers haven't forgotten what a powerfull medium a song can be; .... 'Songs', said Reverend Cecil Franklin, 'have the advantage of being packaged and wrepped in universal appeal. Songs are not limited by natural or human boundaries.'“ (aus Robin Denselow - WHEN THE MUSIC'S OVER London 1990 S.XVI) Diese alte Tradition politischer Inhalte in der Musik schwarzer Amerikaner findet heute in der Stilrichtung Rap seine Fortsetzung. Rap-Musik stellt heute zweifellos die wichtigste Form politischer Artikulation der schwarzen Bevölkerung in den USA dar.

Ein anderes Beispiel, welch ungeheure Auswirkungen die Arbeiten von Popmusikern auf politischer Ebene haben können, ist zweifellos das Lebenswerk von Bob Marley. Nicht nur, dass es mit der Person Bob Marley zum ersten Mal ein Musiker aus einem Land der Dritten Welt schaffte, sich in der Liga der westlichen Superstars zu etablieren, viele seiner Songs wurden auch zum Symbol einer zukunftsträchtigen politischen Vision.

In Großbritannien inspirierte Bob Marley mit seiner Reggae-Musik die Rock-Against-Racism (RAR)- Bewegung, die bis heute als Forum für politische Anliegen musikinteressierter Jugendlicher sehr erfolgreich agiert. Die Stilrichtung der Reggae-Musik fand überhaupt, nicht zuletzt aufgrund ihres bekanntesten Vertreters Bob Marley, in England großen Anklang. Bands wie etwa UB40 oder The Police beschäftigten sich in vielen ihrer Songs mit dieser Stilrichtung. Wenngleich auch der Reggae in der 'weißen' Popmusik immer mehr von der Stilrichtung zum Stilmittel wurde, besteht durch die Verbreitung dieses Musikstils durch weiße Musiker dennoch die Hoffnung, dass der ursprüngliche politische Charakter dieser Musik nicht zu schnell in Vergessenheit gerät.

Am 13. Juli 1985 wurde das bis dahin größte Popfestival der Geschichte veranstaltet. Live Aid war ein Benefizkonzert, das durch den Musiker Bob Geldof organisiert wurde, nachdem er einen Fernsehfilm über die hungernde Bevölkerung Äthiopiens gesehen hatte.

Nachdem Bob Geldof den Sänger der Band Ultravox, Midge Ure, für die Idee gewinnen konnte, bekundeten immer mehr Musikstars ihr Interesse an diesem Ereignis. Letztlich waren beinahe alle relevanten Popmusiker dieser Zeit bei Live Aid vertreten. Zugunsten der Hilfe für die Menschen verzichteten alle Beteiligten auf ein Honorar. Bis Mitte 1987 hatte das Ereignis etwa 60 Millionen englische Pfund eingebracht. Zum ersten Mal konnte mit Zahlen und Fakten belegt werden, welchen ungeheuren Einfluss Popmusik auf ihr Publikum ausübt.

1988 kam es allerdings mit der Abhaltung des bis heute größten Live-Ereignisses aller Zeiten, dem „A Tribute To Nelson Mandela“-Konzert, zu einem der bedeutendsten politischen Manifestationen in der Geschichte der Popmusik. „The Nelson Mandela Seventieth Birthday Tribute was like a more political version of Live Aid, with the aim of raising awareness rather than just money.“ Songs wie 'Mandela Day' von den Simple Minds, 'Brothers In Arms' von den Dire Straits, Tracy Chapmans 'Talking About Revolution' oder Peter Gabriels 'Biko' wurden zum Symbol des neuen politischen Verständnisses unter den jugendlichen Hörern.

Nach den Erfolgen von Live Aid und A Tribute To Nelson Mandela kam es in der Folge zu einer beinahe inflationären Zahl ähnlicher Ereignisse, sodass sich bald eine große Zahl bekannter Stars gegen eine Überstrapazierung dieser Idee stark machte, um zu vermeiden, dass die politische Botschaft solcher Veranstaltungen zugunsten individueller Promotioninteressen einiger aufstrebender Talente in den Hintergrund geraten könnte.

Nicht zuletzt hatte auch die Industrie die Werbewirksamkeit dieser Großveranstaltungen entdeckt, was Ende der 80er Jahre viele bekannte Musikgrößen davor abschreckte, weiter bedenkenlos an jedem dieser Benefizkonzerte teilzunehmen. Als Zeichen politischen Widerstands behielt das Popkonzert jedoch seine ernstzunehmende Bedeutung. Im Falle des „A Tribute To Nelson Mandela“-Konzerts war es vielleicht sogar noch mehr, denn zwanzig Monate nach dem Konzert wurde Nelson Mandela aus der Haft entlassen. Das Konzert hatte auf diese Entscheidung zweifelsohne einen nicht unerheblichen Einfluss, signalisierte es doch der Regierung von Südafrika unmissverständlich die Abscheu der gesamten (Pop-)Welt vor der Unmenschlichkeit der Apartheid-Politik.

Atomkraftwerkspolitik, Umweltzerstörung sowie die steigende Drogenproblematik sind die neueren Themen des politischen Pops. Themen wie etwa die Drogenproblematik beschäftigen die Musiker heute wahrscheinlich aus zweierlei Gründen besonders. Einerseits weil gerade ihre Branche damit besonders konfrontiert ist, andererseits weil sich ihre jugendliche Hörerschaft aus betroffenen Kreisen rekrutiert.

Im Laufe der Entwicklung des politischen Pop kam es auch immer wieder zu Missverständnissen und Vereinnahmungen der Musiker von Seiten einiger politischer Repräsentanten. Ein gutes Beispiel dafür ist die irische Band U2, die nur allzu oft mit der Irisch Republikanischen Armee (IRA) in Verbindung gebracht wurde. Dies nicht zu letzt aufgrund der Tatsache, dass Repräsentanten der IRA immer wieder auf die geistige Nähe einiger U2-Texte zu den Ideen der terroristischen Organisation hinwiesen. Konkreter Anlass für solche Spekulationen war der Song 'Sunday Bloody Sunday', dessen Text die IRA-Mitglieder als Aufruf zum Widerstand gegen die englischen Besatzer in Nordirland missverstanden.

Die Mitglieder der Band bestritten dies mehrmals öffentlich, als die Gerüchte aber nicht verstummen wollten, hielt Bono während eines Konzertes in den USA quasi als Einleitung zu dem Song fest: „People come up to me and talk about the resistance, the revolution, the glory of the revolution and the glory of dying for the revolution back home. Nobody talks about the glory of killing for the revolution. Where is the glory in bombing members of a state parade and leave them dying and crippled for life, where is the glory in that?“ Damit machte die Band endgültig klar, dass sie nicht für den bewaffneten Widerstand, sondern vielmehr gegen jede gewalttätige Konfliktlösung waren.

Auch Bruce Springsteen blieb von einer solchen Vereinnahmung nicht verschont. Sein Hit 'Born in the U.S.A.', der eigentlich eine kritische Position bezüglich der Rolle Amerikas im Vietnam-Konflikt einnehmen sollte, wurde von den Leuten einfach zu einer amerikanischen Hymne hochstilisiert. Springsteen fühlte sich völlig missverstanden, als sein Song zum musikalischen Symbol der Reagan-Ära gemacht wurde, erachtete er doch selbst den Text als eindeutig. Nach den allgemeinen Gründen für das politische Engagement von Popmusikern befragt, meinte Jim Kerr, Sänger der schottischen Band Simple Minds: „Wir Musiker haben durch unsere Popularität eine Menge Spielraum für die Artikulation unserer Gedanken, es wäre eine Schande, eine solche Gelegenheit nicht zu nutzen.“ (Quelle: Robin Denselow - WHEN THE MUSIC'S OVER London 1990 S.277)

Aus folgenden Musikgenres gibt es Musikstücke, die der Popmusik zuzurechnen sind:

  • angewandte Musik: Marschmusik, Tanzmusik
  • Unterhaltungsmusik: Blasmusik, Beat, Blues, Country-Musik, elektronische Musik, Folk, Soul, Drum ’n’ Bass, Hip-Hop (Musik), „populäre Klassik”, Reggae, Rock, Salonmusik
  • unterhaltendes Musiktheater: Operette, Musical
  • Genremischformen: Revue, Vaudeville, Varieté, Kabarett
  • selbständig gewordene Liedformen: Couplet, Chanson, Schlager
  • volkstümliche Lieder des 19. Jahrhunderts: Gassenhauer, Bänkellieder, Moritaten
  • politische Lieder: Protestsongs, Politisches Lied
  • Filmmusik
  • Jazz

Musik, die sich aus rein kommerziellen Gesichtspunkten heraus aus den Genres der populären Musik eklektisch bedient (vor allem Blasmusik, populäre Klassik und Musical) und dies mit Volkstümlichen Schlagern anreichert, nennt man volkstümliche Musik.

Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Popmusik aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.