Im Wesentlichen hört man in Indien drei Arten von Musik:
- klassische Musik: kultivierter Musikstil, der im Westen besonders bekannt geworden ist, in Indien aber etwa den gleichen Stellenwert hat wie westliche Klassik in Europa.
- volkstümliche Musik: regional sehr unterschiedliche Lieder, die meist religiösen Ursprungs sind und vor allem bei Festen und in den Tempeln gesungen und gespielt werden.
- Popmusik: alltäglich gespielte Hits, die größtenteils aus neuen und alten Kinofilmen à la Bollywood stammen und oft auch Elemente klassischer und volkstümlicher Musik enthalten.
Man unterscheidet zwischen zwei Richtungen:
- südindisch klassische Musik (Karnatische Musik): ursprünglicherer, älterer Stil; sehr erdig mit vielen melodiösen und rhythmischen Variationen, eher durchkomponierte Arrangements.
- nordindisch klassische Musik (Hindustanische Musik): stark vom persischen Kulturraum beeinflusste Musik und wird nicht nur in Indien, sondern auch in Nepal, Pakistan und Bangladesch praktiziert; ausgeprägt instrumental orientiert, einer spezifischen Ornamentik (Verzierungen) und wesentlich mehr Improvisation. Eine Darbietung mit nordindischer klassischer Musik wird auch als Mehfil bezeichnet.
Die klassische indische Musik besteht aus einem für europäische Musikkenner oft überraschendem Nebeneinander von Freiheit und Disziplin. Diese Art von Musik ist vorwiegend Solomusik, das heißt, ein Musiker arbeitet die Melodiestruktur aus, die anderen unterstützen ihn dabei, wobei die Rollen im Laufe eines Konzerts aber oft wechseln.
Ausnahmen bilden dabei Schlaginstrumente wie die Tabla, das führende Perkussionsinstrument Nordindiens, oder die Pakhawaj. Ähnliche Instrumente finden sich in Südindien, wie das Mridangam oder der Ghatam (Tonklangkörper). Sie stehen gleichberechtigt neben dem Hauptinstrument und dürfen nicht als rhythmische Begleitung verstanden werden. Die Rhythmik der indischen Klassik ist der Melodieführung nicht untergeordnet, vielmehr gestaltet ein Perkussionist in dem System von rhythmischen Zirkeln (s.g. Talas) - in einem wechselseitigen Dialog - das Improvisationsspiel aktiv mit.
Ein orchestrales Spiel gibt es in der indischen Klassik nicht, sie ist Kammermusik, und besteht in der Regel aus einem Hauptinstrument oder der Vokalstimme, 1 bis 2 Perkussionisten, gegebenenfalls als Counterpart zum Hauptinstrument das Harmonium und die sogenannten Dronen (vgl. Bordun), die von 1 oder 2 Tanpuras klangakustisch verkörpert werden. Das Duettspiel (s.g. Jugalbandi) hat sich in Indien in den letzten Jahren weit verbreitet und erfreut sich beim (internationalen) Publikum einer zunehmenden Beliebtheit.
So erlaubt eine Reihe von allgemeingültigen, sehr komplexen, über Jahrhunderte entwickelter Regeln den Musikern im (Kammer-)Ensemblespiel, die einander vorher noch nie gesehen haben, ein Konzert miteinander zu bestreiten: 80 bis 90 % eines Konzerts sind frei improvisiert und orientieren sich an diesen Grundprinzipien. Die wesentlichen Säulen einer Ragaperformance sind Ragaskalen und als mathematisches Zeitkorsett die Talas.